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Ansprache Alec von Graffenried anlässlich der Gedenkfeier Guido Schmezer am 7. November 2019

2019-11-07 21:32:00
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Quelle: Stadt Bern

Was auf den ersten Blick vielleicht wie ein Karriereknick aussah, war jedoch für das Multi-Talent Guido Schmezer wahrscheinlich eine logische Entwicklung, die ihm erst die Möglichkeit bot, seine breit gefächerten Fähigkeiten und Interessen beruflich zu entfalten, wie die Stadt Bern mitteilt.

Und für die Stadt Bern war Schmezers Wechsel von der Redaktions- in die Amtsstube schlicht ein grandioser Glücksfall. Er wurde zum Monument.Guido Schmezer war nämlich kein Beamter wie andere.

Und zwar schon deshalb, weil es zu seiner Zeit keinen zweiten wie ihn gab. Der damalige Stadtpräsident Reynold Tschäppät hatte ihn im Jahr 1967 als ersten vollamtlichen Informationschef einer Schweizer Stadt in die Stadtverwaltung geholt.

Mit seinen hervorragenden kommunikativen Fähigkeiten, aber auch mit seinem feinsinnigen Gespür für das Wesen und die Eigenheiten Berns und der Bernerinnen und Berner war Schmezer für diesen Job natürlich prädestiniert.Empfohlen wurde Guido Schmezer übrigens durch seinen Jugendfreund Klaus Schädelin – den Verfasser des legendären «Mein Name sei Eugen». Schädelin stand als Gemeinderat zwischen 1966 und 1973 der städtischen Fürsorgedirektion vor.

Und Büro-Nachbar Schmezers war in dieser Zeit Mani Matter, damals Rechtskonsulent der Stadt Bern. Das Triumvirat Schädelin – Schmezer - Matter war ein einmaliges Zusammentreffen von drei Sprachkünstlern in Diensten der Stadt Bern, für die ihre Arbeit in der Verwaltung «keineswegs nach Amtsschimmel roch», denn diese war «abwechslungsreich, interessant und sinnvoll», wie es Guido Schmezer einst zusammenfasste.

Matter – Schmezer – Schädelin: das war für unsere Stadtverwaltung Berns Goldene Zeit.Voller Tatendrang machte sich Schmezer nach seiner Ernennung zum Informationschef der Stadt Bern daran, die Kommunikation innerhalb der Stadtverwaltung zu professionalisieren, aber auch die Beziehungen der Stadtbehörden gegen aussen bis hin zum Bundesrat in die Hand zu nehmen. 1973 rief er mit «Bern intern» das erste Informationsblatt für die gesamte Stadtverwaltung ins Leben.

Im gleichen Jahr übernahm er vom abtretenden Stadtschreiber die Organisation der Chefbeamtenzusammenkünfte. Und 1975 trat er die Nachfolge des pensionierten Stadtarchivaren Walter Biber an.

Die beiden Bereiche «Stadtarchiv und Informationsdienst» bildeten bis zu seiner Pensionierung 1989 die beruflichen Haupttätigkeiten Schmezers.Guido Schmezer war ein Kulturschaffender. Als «Ueli der Schreiber» war er ein Meister dichterischen Humors und der schwungvollen Reime, das Augenzwinkern sei allgegenwärtig.

Als promovierter Philologe verfasste er eine grosse Anzahl von Publikationen aller Art.Gleichzeitig konnte er aber durchaus auch organisieren, administrieren und akribisch arbeiten. Er verfügte über einen starken Ordnungssinn – alles Charakterzüge, die für einen Stadtarchivar ungemein praktisch sind.

Ein kleines Beispiel: Er leitete die Leserschaft von «Bern intern» an, dass – ich zitiere – «die Informationsblätter am besten nach A-Blättern und B-Blättern zu trennen und in Ordner aufzubewahren sind. Die A-Blätter enthalten Aktualitäten und können, sobald sie veraltet sind, entfernt werden.

Die B-Blätter dagegen lohnt es sich aufzubewahren. Denn diese vermitteln Informationen, die man immer wieder braucht.»Jedenfalls nutzte er die Renovierung des Erlacherhofs zwischen 1975 und 1979, um das Stadtarchiv neu zu ordnen und damit besser zugänglich zu machen.

Er schuf ein kleines Informationskabinett häufig gebrauchter Unterlagen, baute ein Tonarchiv auf und investierte viel Arbeit in die Inventarisierung der Plansammlung. Nicht zuletzt rettete er in einer speziellen Rettungsaktion rund 10`000 Baubewilligungsakten vor der Vernichtung.Verwaltungshandeln bedeutete für ihn nicht einfach das blosse Abwickeln eines vordefinierten Geschäftsprozesses.

«Guido Schmezer diente der Stadt insbesondere in jenen Bereichen, in denen Amtsdeutsch, Beamtenverhalten und ordentliche Bürozeiten fehl am Platz waren». So hiess es in der Laudatio, als ihm vor 10 Jahren die Berner Public Relations Gesellschaft die «Goldene Schweissperle» verlieh.

Vielmehr engagierte er sich mit Herz und Seele für seine Arbeit und belebte diese, indem er auf Menschen zuging und Brücken baute, wo immer er konnte – ob alt oder jung. So betreute er etwa Jugendliche beim Aufbau des Jugendzentrums Gaskessel.Wichtig war ihm auch das Verhältnis zur Burgergemeinde.

So schlug er seinen städtischen Kollegen vor, für die nächste Zusammenkunft die 18 burgerlichen Chefbeamten einzuladen, «denn» – so führt Schmezer aus – «es liegt sicher im Interesse der Stadt, dass Freundschaft und Zusammenarbeit zwischen Einwohner- und Burgergemeinde gepflegt wird». Diese Freundschaft und Zusammenarbeit pflegte Guido Schmezer tatsächlich während seines ganzen Lebens – nicht zuletzt auch als Mitglied der Kommission des Naturhistorischen Museums.Wir seien Guido Schmezer für sein Wirken dankbar.

Sein Geist wirkt hoffentlich in der Stadtverwaltung noch lange nach. Ich wünsche mir, dass wir uns viel von seinem liebevollen, empathischen Humor bewahren können..

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