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Archäologen tauchen im Thunersee vor dem Schloss Schadau

2020-01-06 08:02:00
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Quelle: Kanton Bern

Von Januar bis März 2020 untersucht die Tauchequipe des Archäologischen Dienstes des Kantons Bern (ADB) bronzezeitliche Pfahlbauten im unteren Thunersee, wie der Kanton Bern schildert.

Sie wurden erst vor fünf Jahren entdeckt. Bereiche der rund 3500-jährigen Siedlungen seien stark erosionsgefährdet und drohen demnächst zu verschwinden.Erste Abklärungen in den Pfahlbauten haben gezeigt, dass sich der nördliche Bereich der Fundstelle in einem besorgniserregenden Zustand befindet.

Aus den Siedlungsschichten freigespülte Funde liegen ungeschützt am Seegrund, weshalb sie stetig zerstört werden. Von manchen jahrtausendealten Pfählen seien nur noch letzte Reste im untersten zugespitzten Bereich erhalten.

Besonders dramatisch sei eine quer durch das Areal verlaufende Erosionskante, die sich jährlich bis zu einem halben Meter weiter in die Seesedimente frisst. Die dort freigespülten Pfähle kippen um.

Ursache für die gewaltige Seegrunderosion sei die starke natürliche Strömung in der Nähe des Aareausflusses sowie die intensive Schifffahrt.Mittels dendrochronologischer Jahrringuntersuchungen wurden die Pfähle in die frühe Bronzezeit um 1590–1540 v. Chr.

datiert. Um die wertvollen Zeugnisse vergangener Tage vor ihrem endgültigen Verschwinden zu dokumentieren, führt die Tauchequipe des ADB eine dreimonatige Rettungsgrabung durch.

Die Taucharbeiten finden während der ausserordentlichen Seeabsenkung statt, wenn der Schiffsverkehr im Untersuchungsbereich eingeschränkt ist.Die Überraschung war gross, als ein Sporttaucher dem ADB 2014 verschiedene Bronzeobjekte überreichte, die er im Thunersee eingesammelt hatte. Nach seiner Fundmeldung startete die Tauchequipe eine Untersuchung: Schon beim ersten Tauchgang zeigten sich am Seegrund Pfähle und Keramikscherben, die eindeutig von prähistorischen Siedlungen stammen.

Pfahlbauten waren im Thunersee bisher kaum bekannt. Hingegen gibt es reiche Grabfunde der frühen Bronzezeit aus Thun, Hilterfingen, Amsoldingen und Spiez.

Entsprechend gross sei die wissenschaftliche Bedeutung der Neuentdeckung von Siedlungen jener Zeit.Inzwischen seien mehrere Siedlungen aus der frühen (1590–1540 v. Chr.) und späten Bronzezeit (1050–950 v.

Chr.) bekannt, die sich über ein Areal von mindestens 15 000 m2 im unteren Thunersee verteilen. Diese Ausmasse seien beachtlich und stehen den grossen Seeufersiedlungen jener Zeit an den Jurarandseen in nichts nach.

An bestimmten Stellen lassen sich sogar ohne detaillierte Abklärungen typische Bebauungsmuster derartiger Seeufersiedlungen ausmachen, dazu gehören Umzäunungen oder dicht aneinandergereihte Häuser.Pfahlbauten seien ein aussergewöhnliches Kulturerbe. Sie zeichnen sich durch eine hervorragend gute Erhaltung aus, insbesondere auch von organischen Materialien.

Denn in der sauerstoffarmen Umgebung unter Wasser konnten Konstruktionshölzer wie die Häuserpfähle, aber auch zahlreiche Alltagsgegenstände oder Speisereste Jahrtausende überdauern. Sie erlauben der Forschung detaillierte Einblicke in die Lebensweise der damaligen Seeanwohnerinnen und -anwohner.

Deshalb seien die «Prähistorischen Pfahlbauten um die Alpen» seit 2011 Unesco-Welterbe. Pfahlbauten seien jedoch auch ein fragiles Kulturerbe, das geschützt werden muss. Natürliche Ereignisse wie Wellenschlag lassen die Siedlungsreste erodieren, und menschliche Eingriffe wie die Konstruktion von Hafenanlagen haben in der Vergangenheit oft zu deren unbeobachteter Zerstörung geführt.

Bild anzeigen Im unteren Becken des Thunersees existierten in der frühen und späten Bronzezeit verschiedene Pfahlbausiedlungen. Auch aus dem Früh- und Hochmittelalter gibt es zahlreiche Pfähle, die vermutlich mit Fischfang in Verbindung zu bringen sind.

© Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Lukas Schärer Bild anzeigen Quer durch den nördlichen Siedlungsbereich zieht sich eine Erosionskante, wo die Pfähle freigespült werden und letztlich umkippen. © Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Daniel Steffen Bild anzeigen Verschiedene Bronzeobjekte aus der Fundstelle Thun, Schadau.

© Archäologischer Dienst des Kantons Bern, Badri Redha.

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