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«Ein schwarzer Tag für den Medienplatz Bern»

2021-04-08 13:05:02
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Quelle: Stadt Bern

Stadtpräsident Alec von Graffenried ist verärgert über den Entscheid von Tamedia, die Redaktionen von «Bund» und «Berner Zeitung» zusammenzulegen, wie die Stadt Bern schreibt.

«Das sei ein schwarzer Tag für den Medienplatz Bern», hält er fest. Damit werde die für das Funktionieren einer Demokratie unabdingbare Meinungs- und Medienvielfalt in der Hauptstadtregion beträchtlich geschwächt.

Sehr besorgt sei er über den angekündigten Stellenabbau.Der Medienkonzern Tamedia habe heute angekündigt, die beiden Berner Tageszeitungen «Der Bund» und «Berner Zeitung» weitgehend zusammenzulegen. Künftig werde eine Einheitsredaktion aus Redaktorinnen und Redaktoren beider Zeitungen die Beiträge für die beiden Titel produzieren.

20 Vollzeitstellen werden abgebaut.Der Stadtpräsident kritisiert den Entscheid von Tamedia. Die beiden Tageszeitungen seien bisher als Leitmedien für die Meinungsbildung in der Hauptstadt der Schweiz von grosser Bedeutung gewesen, so Stadtpräsident Alec von Graffenried.

«Der publizistische Wettbewerb zweier Redaktionen stellte eine differenzierte, kritische und unabhängige öffentliche Debatte sicher», so der Stadtpräsident. Zudem habe die Konkurrenzsituation zwischen den beiden Zeitungen auch die Berichterstattung anderer Medien befruchtet.

Dies sei von der Bevölkerung und den Institutionen immer anerkannt worden.Mit dem Abschied vom «Berner Modell» habe Tamedia die eigenen wirtschaftlichen Interessen höher gewichtet als ihre medienpolitische Verantwortung, bedauert der Stadtpräsident. Damit habe das Medienhaus Goodwill verspielt.

Er hatte bis zuletzt auf kreativere Lösungen aus dem Hause Tamedia gehofft, um ein Minimum an publizistischer Konkurrenz zu gewährleisten. Für den Stadtpräsidenten sei klar: «Die Einheitsredaktion führt zu einer Schwächung des Wettstreits der Meinungen und zu einer Verarmung der Medienvielfalt in Bern.» Der Verzicht auf interne journalistische Konkurrenz verunmögliche es, kontroverse Fragen aus mehreren Perspektiven zu beleuchten und die Vielfalt der Positionen und Argumente in der Berichterstattung abzubilden.Kritisch beurteilt der Stadtpräsident auch die Stossrichtung, wonach sich die Redaktion künftig auf jene lokalen Themen konzentrieren soll, die von überregionalem Interesse sind.

«Das habe nicht mehr viel mit Lokaljournalismus zu tun», so Alec von Graffenried. «Was die Menschen in Stadt und Region bewegt, sei nicht unbedingt das, was national am meisten Klicks generiert.» Mit dieser Ausrichtung verstärke sich der bereits heute besorgniserregende Trend zum Boulevard-Journalismus.Ferner appelliert der Stadtpräsident an die soziale Verantwortung des Unternehmens.

Die Zahl der Beschäftigten, die ihren Arbeitsplatz verlieren, sei beträchtlich, so Alec von Graffenried. Er fordert Tamedia daher auf, den Abbau zu staffeln und über die natürliche Fluktuation aufzufangen, oder zumindest sozialverträgliche Lösungen für die Betroffenen zu finden und einen grosszügigen Sozialplan auszuarbeiten, zumal der Konzern jahrelang Gewinne erwirtschaftet habe und über finanzielle Reserven verfüge.Gemäss Alec von Graffenried zeigen die jüngsten Entwicklungen erneut, dass die Geschäftsmodelle der traditionellen Massenmedien überholt sind.

Er begrüsst deshalb Initiativen, welche die nun entstehende Lücke mit neuen Formaten zu schliessen versuchen. Dennoch sei es zwingend, neue Wege zu gehen, so der Stadtpräsident.

«Für den Gemeinderat sei klar, dass es eine staatliche Medienförderung braucht.»Die Stadtregierung plädiere schon seit einigen Jahren für dieses Anliegen. Da sich Medienvielfalt nur bedingt kleinräumig organisieren und finanzieren lasse, sieht der Stadtpräsident hier in erster Linie die Bundesbehörden in der Pflicht.

Sofern auf Bundesebene die nötigen rechtlichen Grundlagen geschaffen werden, sei auch eine Medienförderung vorstellbar, so von Graffenried, indem die Produktion auch von lokalen und regionalen Nachrichten durch die Nachrichtenagentur SDA mitfinanziert werde.Handlungsbedarf ortet der Stadtpräsident auch bei der SRG. Mit dem Rückzug der privaten Medien aus dem lokalen und regionalen Raum sei es wichtiger denn je, dass die SRG als öffentliches Medienhaus in die Lücke springe und ihr lokal- und regionaljournalistisches Angebot im Online- und im Radiobereich pflege und gegebenenfalls ausweite..

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